Tagesförderstätte

Aufgrund der Schwere oder Art der Beeinträchtigung, der Verhaltensauffälligkeiten oder Pflegebedürftigkeit kann für manche erwachsene Bewohner eine Werkstatt für behinderte Menschen keine adäquate Beschäftigung und Betreuung gewährleisten.

Aus diesem Grund bieten wir mit Tagesförderstätten an den Standorten Düngenheim und Ulmen diesem Personenkreis sowie externen Menschen mit schwerer oder schwerster Beeinträchtigung den sogenannten zweiten Lebensraum.

Die Tagesförderstätte ermöglicht eine angemessene Tagesstrukturierung durch individuelle Beschäftigung und Förderung im Sinne von Arbeit und Tätigsein.
Um diese Menschen effektiv fördern zu können, stellen wir an die Räumlichkeiten mit folgenden strukturellen Bedingungen besondere Ansprüche:
Für durchschnittlich 8 Besucher pro Gruppe werden ein Gruppenraum mit kleiner Küche, ein Werk- oder Arbeitsraum (Gewächshaus, Holzwerkstatt, Tonraum), ein Ruheraum, ein Therapieraum (Snoezelraum, Bällchenbad), ein Sanitärraum mit Pflegebad und ausreichenden Toiletten sowie ein Mitarbeiter- und Besprechungsraum vorgehalten.
Insgesamt sind die Räume von der Größe und Möblierung und ihrer Zuwegung her barrierefrei gestaltet und so insbesondere für Menschen mit motorischen und körperlichen Einschränkungen geeignet.

Für hyperaktive, motorisch unruhige und verhaltensauffällige, stark autistische oder ähnlich schwer beeinträchtigte Menschen müssen die Räumlichkeiten meist entsprechend groß und geräumig sein. Damit erreichen wir Bewegungsmöglichkeit und auch die Möglichkeit zum Teilen der Gesamtgruppe. Durch vermehrte Einzeltherapie und Anleitung in Kleingruppen wird damit eine intensive, konzentrierte, stressreduzierte Lern- und Arbeitssituation geschaffen, die es jedem Beschäftigten der
Tagesförderstätte ermöglichen kann, eigene Lernerfahrungen und Lernerfolge zu erzielen.

Die Mitarbeiterschaft setzt sich aus pädagogischen und pflegerischen Fachkräften sowie Gruppenhelfern und Mitarbeitern mit handwerklicher oder hauswirtschaftlicher Qualifikation zusammen. Von letzteren erwarten wir die Bereitschaft zur Fort- und Weiterbildung, um die nötigen Kenntnisse zur pädagogischen und pflegerischen Betreuung und Förderung zu erwerben.

Sonderdienste, wie Bewegungstherapie, Krankengymnastik oder psychologische Bera¬tung werden durch hauseigene Fachkräfte, durch Honorarkräfte oder als Leistung von Hilfeträgern neben dem Angebot der Tagesförderstätte durchgeführt.

Die Tagesförderstätte bietet eine Fülle von Möglichkeiten, um auch dem noch schwerst beeinträchtigten Menschen eine ihm entsprechende Tätigkeit, Arbeit oder Erlebniswelt zu bieten. Es werden zum Beispiel Handgriffe und Selbständigkeit im lebenspraktischen Bereich erhalten oder gefördert und eine Übertragung in den Arbeitsbereich angestrebt.

Im handwerklichen Bereich wird der Lernprozess methodisch so aufgebaut, dass die Betreuten und Beschäftigten zunächst lernen, Arbeit zu erleben, dann in Arbeitsabläufe mit einbezogen werden und das Selbst-Tätigwerden mit Handführung einüben, um dann eventuell zum selbständigen Arbeiten unter Aufsicht zu kommen. Erlernte Tätigkeiten werden dann durch häufige und gezielte Wiederholung geübt, erhalten oder erweitert. Es ist hierbei wichtig, eine eindeutige Arbeitsatmosphäre zu schaffen, um so eine anschauliche Unterscheidung von Wohn-, Freizeit und Arbeitsbereich zu bewirken.

Eine große Zahl dieser Beschäftigten ist aufgrund ihrer Beeinträchtigung nicht in der Lage, aktiv manuell tätig zu sein. Für diese Menschen bietet die Tagesförderstätte Angebote zur Erweiterung ihrer Erlebniswelt, zum Training der allgemeinen Wahrnehmungsfähigkeit, zu Übungen der eigenen Körperwahrnehmung, zur Entspannung, zur Schulung der Feinmotorik und Kommunikation an.

Somit ist es Ziel und Aufgabe der Tagesförderstätte, für den erwachsenen Menschen mit hohem Teilhabebedarf neben dem Leben in einer Wohngruppe ein gezieltes Arbeits-, Beschäftigungs- und Erlebnisangebot zu schaffen. So wird eine notwendige Tagesstrukturierung und Angebotsvielfalt für den Menschen erreicht, zu deren Planung er selbstbestimmt nicht in der Lage ist. Im Übrigen verweisen wir auf die Verfahrensanweisung Betreuungs- und Förderplanung der Tagesförderstätte.